Every other day (Rezension)

Februar 24th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Kali ist ein ganz normales Mädchen mit ganz normalen Sorgen über die Schule und ihren meistens abwesenden Vater, aber nur jeden zweiten Tag. An den anderen Tagen ist sie eine unbesiegbare Dämonenjägerin. Diesen Teil ihres Lebens versteckt sie vor ihren Klassenkameraden und ihren Freunden, bis eines Tages ein Mädchen in ihrer Schule einen Dämonenbiss am Rücken hat. Jetzt muss Kali ihre geheime Identität enthüllen, um das Mädchen vor dem Dämon zu retten…

Meine Gedanken zum Buch…

Dieses Buch und seine allzeit kampfbereite Heldin, erinnerten mich ein klein wenig an Buffy die Vampirjägerin. Eine Serie, die ich geliebt habe, aber deren starke Heldin bald durch Schulmädchen im Liebesbann von Vampiren ersetzt wurden. Barnes dreht mit ihrem Roman die Uhr zurück und gibt uns LeserINNEN eine durchsetzungskräftige Hauptfigur, fast eine Superheldin, die es auf der Jagd nach Dämonen zu begleiten gilt. Ein Abenteuer, dass ich sehr genossen habe und das von Anfang bis Ende, Rand voll mit Kampfszenen, Liebesschwüren und Nerven aufreibender Spannung.

Trotz all der Kämpfe auf Leben und Tod, gibt Barnes dem Leser als Bonus noch eine Romanze, sie lässt Kali ihren Seelenpartner finden, nur um ihn ihr gleich darauf zu entreißen. An dieser Stelle fällt der Leser aus allen Wolken und findet sich fast zerschmettert am Boden liegend wieder, zusammen mit Kali und ihrem gebrochenen Herzen. Also hat diese Geschichte wirklich alles und man fühlt sich den Charakteren schnell sehr nahe, leidet mit und freut sich über deren Erfolge. Als LeserIN konnte ich mich besonders für die Mischung aus weiblicher Kampfansage und Romanze begeistern, besonders schön ist hier, dass keine der beiden Seiten des Buchs zu kurz kommt. Kali ist keine Figur, die darauf wartet von einem großen bösen Vegetarier-Vampir gerettet zu werden, sondern die sich die Bösen lieber selber vornimmt und das macht dieses Buch in meinen Augen so lesenswert.

Jede LeserIN, die gerne mal in einen Jugend-Fantasyroman eintaucht, wird dieses Buch lieben. Es ist inspirierend und fesselnd, der Leser wird zum Gefangenen der Geschichte bis zur allerletzten Seite. Gleichzeitig scheint sich hier eine ganze Reihe Kali-Romane anzubahnen, denn das Ende lässt einige Fragen offen. Ich bin schon gespannt was uns Lesende noch so aus der Feder von Jennifer Lynne Barnes erwartet. Lies dieses Buch, wenn Du auf ein unterhaltsames und spannendes Leseabenteuer aus bist, und auf jeden Fall, wenn Dich Biss-ähnliche Schmachtfetzen mittlerweile etwas anöden.

Kurz zusammen gefasst… Ein unterhaltsamer und spannender Roman für all die Fantasy Fans unter euch Mädels.

Info: Every other day – Jennifer Lynn Barnes – ISBN 978-1606841693

Blue Valentine (Filmtipp)

Februar 22nd, 2012 § 4 Kommentare

You always hurt the ones you love…

Alleine für Ryan Gosling an der Ukulele ist dieser Film es wert geschaut zu werden. Aber natürlich auch wegen der rührenden und dabei so alltäglichen Geschichte und der beeindruckenden Schauspielleistung von Michelle Williams. Bin ich die einzige die diese Frau noch aus ‘Dawson’s Creek’ Tagen kennt?! Dafür, dass keiner sie Filmtechnisch so genau auf dem Plan hatte macht sie dieser Tage ordentlich Wellen – nicht zuletzt mit ihrer Darstellung der Marilyn Monroe.

Kurz zur Handlung: Dean und Cindy sind verheiratet mit Kind, doch die Routine des Ehelebens hat sie eingeholt. Der Film trifft die beiden am Scheideweg, schaffen sie es sich erneut in einander zu verlieben oder ist es besser für sie getrennte Wege zu gehen.

Blank poliert ist dieses Stück Kino nicht, besonders Gosling – den man noch als romantischen Helden in ‘The Notebook’ kennt –  beweist mit seiner Figur Mut zur Hässlichkeit. Doch es geht hier nicht um die Schauspieler oder konventionelle Hollywood Ästhetik. Hier geht es darum das Leben zu portraitieren mit all seinen Ecken, Kanten und dem Schmand der sich manchmal in den Falten absetzt. Das macht die Geschichte sehenswert, das berührt den Zuschauer und darum empfehle ich an dieser Stelle diesen Film und keinen anderen.

Neugierig geworden? Hier geht’s zum Trailer.

Liebesbrand (Rezension)

Februar 20th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Überall sehe ich Männer und Frauen, die sich zu einander prügeln. Sie lieben, obwohl sie voreinander fliehen möchten.

Zu Beginn stirbt David, ein „etwas später dazu gekommener“ Deutscher, ursprünglich ohne „i“, dafür mit einem „u“ in seinem Vornamen, bei einem Busunglück in der Türkei. Aus den Flammen des Unfalls gerät er unversehens in die Flammen der Liebe, als ihm eine Frau mit deutschem Akzent (eine Engelserscheinung?) am Unfallort kurz Hilfe spendet und dann verschwindet. Entbrannt setzt er, zurück in Deutschland, trotz weniger Anhaltspunkte, die er hat, alles daran, sie wiederzufinden. Der Roman führt seinen sich auf der Suche nach der Frau des Lebens befindlichen Protagonisten, einen nach beträchtlichen Gewinnen an der Börse finanziell unabhängigen End-Dreißiger, ausgehend von der Türkei in seinen Heimatort Kiel („an den Rand der Zivilisation“), Nienburg an der Weser, Wien und Prag. (Da ich dieses Buch vor einiger Zeit gelesen habe, kommt die Inhaltsangabe dieses Mal von Wikipedia.)

Gedanken zum Buch…

Am Anfang kann man diesem Buch noch folgen. Zunächst das Busunglück, dann das Krankenhaus und dessen Patienten mit ihren kuriosen Namen. Doch sobald der Erzähler aus den Krankenhaus entlassen wird, wird es schwammig und das obwohl ich dieses Buch nun schon zum zweiten Mal gelesen habe. Irgendwie will es nicht haften bleiben in meinem Kopf, obwohl ich mir sicher bin, dass es mir gefallen hat – beide Male und sicher noch öfter.

Der Leser folgt dem Erzähler auf der Suche nach einer Frau, die nicht die seine ist, es nicht sein will und doch reist er ihr nach. Auf einmal sind wir dann in Prag und wissen nicht warum oder wie wir dorthin kamen. Die Fremdenführerin wird zur Geliebten oder vielleicht auch nicht, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Doch die Geliebte bleibt unerreichbar – ein klein wenig frustrierend. Das Ende entfällt mir zum gegebenen Zeitpunkt ganz.

Was mich zu diesem Buch zieht, mal um mal, ist dessen Fähigkeit mich einzulullen, des nachts meine linke Brust zu umfassen und mir vertraut ins Ohr zu flüstern bis ich in den Schlaf gleite. Nicht schwer zu erraten, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe, wie schon bei Leyla, sehr angenehm gesprochen von Stephan Schad. Wer gerne die leisen nachdenklichen Töne liest, den wird dieser Roman erfreuen, denn er ist eines dieser Bücher, die bei erneutem Lesen immer mehr Einsicht in das Geschehen liefern, so wie gute Prosa sein sollte saftig, nicht zu süß und jedes Mal ein bisschen aufschlussreicher.

Kurz gesagt… Dieses Buch ist nicht gut wegen dem was von ihm übrig bleibt, sobald man es zur Seite legt. Es ist gut wegen der Reise, die davor kommt.

LIEBESBRAND – FERIDUN ZAIMOGLU/ISBN 978-3462039696

Endlich wieder vernetzt…

Februar 19th, 2012 § 5 Kommentare

Der Titel deutet es schon an, nach langer Zeit habe ich es auf die Reihe gekriegt mir eine Internetverbindung zu beschaffen. Lange hat’s gedauert, so ist das manchmal wenn man alleine wohnt und einem der Mitbewohner nicht mehr den Arsch hinter her tragen kann. Endlich gibt es also wieder einen Beitrag zum Sonntag und bald auch die versprochenen Liverpool-Fotos. Ich muss nochmal schauen, wann ich Zeit hab mal mit Kamera umher zu streifen und auf Motivsuche zu gehen. Besonders schön ist das Licht im Winter nicht, aber ich zauber Dir da was zusammen ;)

Die Abstimmung, die ich durch Internetknappheit wochenlang auf der SideBar lassen musste, ist nun vorbei. Das nächste “Lesen ist Hardcore!”-Buch soll die Cock-A-Hola Company von Matias Faldbakken sein. Ein Buch, das ich mir extra aus Deutschland schicken ließ und welches nun irgendwo auf dem Postweg herum sumpft. Also musst Du auf die Rezension noch etwas warten, denn vor Freitag wird es nicht bei mir ankommen und anschließend muss ich mich noch durch ein paar hundert Seite kämpfen. Doch ich bemühe mich auch im Februar wieder ein Hardcore-Buch vorzustellen, den Roman also rechtzeitig zu lesen.

Ich habe das Gefühl viel verpasst zu haben, als ich im letzten Monat abwesend war und keine Blogs lesen konnte. Es war zwar nur ein Monat doch mir kam er unglaublich lang vor. Das ist wohl was passiert, wenn man seine Zeit mit Uni und Lesen verbringt ;) Ich bin sehr froh, dass mein Blog mich wieder hat, auch wenn dank Timer-Funktion wohl keiner gemerkt hat, dass ich nicht da war. Der neue Rhythmus gefällt mir ganz gut und so wird es also noch länger bleiben, zwei Rezensionen, ein Filmtipp und Sonntags plaudere ich ein bisschen.

Jetzt gerade lese ich mein zweites Julie Powell Buch, auch wenn ich sie eigentlich nicht mag. Es war zu interessant um es auszuschlagen, diese Frau macht Sachen – erst französische Küche, dann Schlachter lernen – sowas les ich gerne. Auf den Ohren habe ich im Moment Charlotte Roche und ihre Schoßgebete, nicht halb so Brechreiz erregend wie ihr Debut. Eigentlich höre ich ihr gerne zu, sie hat so eine lustige Stimme, auch wenn sie Oralsex beschreibt.

Ein paar Fragen an Dich:

  • Was liest/hörst Du gerade? Und wie gefällt es Dir?
  • Hast Du schon mal sehnsüchtig auf ein Paket/eine Büchersendung gewartet, die einfach nicht ankommen wollte?
  • Was hälst Du von Charlotte Roches zweitem Roman? Oder würdest Du ihre Bücher auf keinen Fall lesen?

Schoßgebete (Rezension)

Februar 17th, 2012 § 2 Kommentare

Elisabeth ist Ehefrau und Mutter einer Tochter. Als Scheidungskind steht für sie fest, dass sie ihrer Tochter Liza ein möglichst langweiliges Zuhause bieten will, damit diese später nicht so psychisch zerrüttet durch die Gegend läuft wie Elisabeth selbst. Dabei verläuft ihr Leben in harmonischen Bahnen, sogar das Liebesleben mit ihrem Mann Georg ist noch so aufregend wie zu Beginn ihrer Beziehung. Diese Harmonie hat Elisabeth sich jedoch hart erarbeitet. Drei mal die Woche geht sie zu einer Psychotherapeutin, mit der sie alle Kleinigkeiten ihres Lebens analysiert. Doch nicht nur Alltagsprobleme machen das Leben für Elisabeth manchmal unerträglich…

Meine Gedanken zum Buch…

Gerade habe ich das Buch ausgehört und so lange es mir noch frisch im Kopf herum spukt, will ich schnell darüber schreiben warum. Für jeden Leser der sich bei Erwähnung des Namens Charlotte Roche erst mal pikiert weg dreht erwähne ich zunächst, dass dieser Roman nicht halb so Brechreiz erregend ist wie ihr Debut. Die Beschreibung des perfekten Blow-Jobs oder Szenen vom Sex mit einer Prostituierten wirken im Vergleich fast brav. Doch man merkt schon am Detailreichtum der Anfangsszene, dass Frau Roche auch dieses Mal wieder schockieren wollte. Schließlich kann man das auch kürzer schreiben und der Leser weiß trotzdem worum es geht. Allerdings sind grafische Szenen dieses Buchs weitaus besser verdaulich als ich es erwartet hatte.

Ich hatte eigentlich sogar Spaß an der Lektüre des Buchs. Vielleicht liegt es daran, dass es in Hörbuchform weitaus besser zu ertragen ist und das nicht nur weil es gekürzt wurde. Vielleicht liegt es daran, dass ich Charlotte Roche als Person des öffentlichen Interesses einfach ulkig finde und ihr gerne ein bisschen zu höre. Mehr vom Laienautor als der versierten Schriftstellerin verfasst lässt sich dieses Buch unglaublich leicht lesen. Es ist unterhaltsam, bleibt aber sicher nicht lange im Gedächtnis haften, dafür ist es einfach zu unbeleckt – im metaphorischen Sinne wohl gemerkt ;)

Der Stil von Charlotte Roche erinnert mich ein wenig an jugendliche Autoren, mal abgesehen von den ganzen Sexszenen. Ihre Erzählstimme hat etwas kindlich unbedarftes, das einem sofort ans Herz wachsen kann oder über die Länge des Buchs nur nervt. Mein Leser-Ich und mein Schriftsteller-Ich sind sich in diesem Punkt nicht ganz einig. Eines ist aber klar, ich bin mir sicher, dass Charlotte Roches Erzählstil um einiges besser zur Geltung kommt, wenn man die Worte aus ihrem Mund hört. Denn sie schreibt ein wenig so wie sie mal moderiert hat – für alle, die sich noch an FastForward erinnern.

Die Charaktere scheinen mir fast Nebensache, irgendwie schlecht gezeichnet. Es wird viel gegrübelt, schließlich geht Hauptfigur Elisabeth regelmäßig zum Psychologen. Die Handlung besteht aber fast ausschließlich aus Sexszenen, alles was nicht Sex ist passiert im Kopf der Hauptfigur entweder in Rückblenden oder willkürlichen Gedankenspielen. Das wirkt auf Dauer undynamisch und als Leser fühlt man sich oft bevormundet, da Charlotte Roche die Kunst des ‘show don’t tell’ nicht zu beherrschen scheint und rigoros vorgibt, was ich als Leser von der Handlung und den Figuren zu denken habe.

Das Hörbuch… Charlotte Roche liest selbst, das passt irgendwie sehr gut. Man merkt ihr allerdings an, dass sie keine professionelle Sprecher, bzw. Schauspielausbildung hat. Ihre Stimme ist monoton und man kann die einzelnen Charaktere nicht unterscheiden. Dieses Hörbuch wird wirklich vorgelesen, nicht gesprochen. Charmant sind da Momente in denen sich Frau Roche mit ihrer Prosa selbst zum Lachen bringt, was man ab und zu hören kann. Wer wie ich Charlotte Roche immer schon lustig fand, für den wird dieses Hörbuch sein Geld wert sein. Doch für den erfahrenen Hörbuchhörer ist es wohl eher eine Katastrophe.

Kurz zusammen gefasst… Wieder ein schokierendes Buch von Charlotte Roche, dessen Versuch der Tiefgründigkeit jedoch an den mageren schriftstellerischen Fähigkeiten der Autorin scheitert.

Info: Schoßgebete – Charlotte Roche – ISBN 978-3492054201

Sunshine Cleaning (Filmtipp)

Februar 15th, 2012 § 4 Kommentare

Dies ist einer meiner Lieblingsfilme. Einer mit dem man zunächst nicht rechnet, der einen dann aber doch in seinen Bann zieht. Bis zum Rand gefüllt mit Anti-Helden, die sich dann aber doch noch berappeln und richtig was auf die Beine stellen. Da schaut man, also in diesem Falle ich, gerne zu und feuert ein klein wenig an. Denn bezaubernde Geschichten wie diese hier, darauf lasse ich mich gerne ein, auch wenn sie größten Teils im Dreck anderer Leute spielt.

Kurz zur Handlung: Die alleine erziehende Mutter Rose ist Raumpflegerin, doch ins geheim träumt sie davon Maklerin zu werden. Erstmal muss jedoch Geld her, denn die Probleme des Alltags lassen sich nicht auf später verschieben. So nimmt sie einen Putzjob der besonderen Art an und räumt zusammen mit Schwester Norah einen Tatort auf. Diese Aktion bringt den beiden 500 $ ein, ein Vielfaches dessen was Rose sonst verdient. Daher beschließen sie einen neuen Karriereweg einzuschlagen…

Toll gespielt, besonders von Emily Blunt, deren Szene unter den Geleisen mir Gänsehaut über den Rücken jagte. Doch auch Amy Adams ist wiedermal charmant und Allan Arkin brilliert in seiner Paraderolle als rüpelhafter Großvater – bekannt aus Little Miss Sunshine. Ich gucke mir diese drei Schauspieler auch alleine gerne an, aber zusammen sind sie unschlagbar. Das gibt der Geschichte ihr Herz und dieses “je ne sais quoi” was auch einen Film der klein anfängt ganz groß raus kommen lassen kann.

Neugierig geworden? Hier geht’s zum Trailer.

Daisy Sisters (Rezension)

Februar 13th, 2012 § 2 Kommentare

Im Kriegssommer 1941 macht Elna aus Sandviken mit ihrer südschwedischen Brieffreundin eine Radtour zur norwegischen Grenze. Die Daisy Sisters, wie die Mädchen sich nach amerikanischem Vorbild nennen, lernen zwei schwedische Soldaten kennen, und die naive Elna, die keinen Alkohol verträgt, wird ungewollt schwanger. Den Vater des Kindes wird sie nie wiedersehen, ihre Tochter Eivor zieht sie nur widerwillig auf. Eivor ihrerseits versucht schon als Halbwüchsige mit einem jungen Kriminellen durchzubrennen, aber das Abenteuer geht auf tragische Weise schief. Fern von Mutter und Stiefvater will sie sich nun eine eigene Existenz als Schneiderin aufbauen. Doch es kommt anders als geplant … (Da es schon etwas länger her ist, dass ich diesen Roman gelesen habe, hab ich die Zusammenfassung diesmal von buecher.de)

Gedanken zu Buch…

Diesen Roman habe ich nun schon zum zweiten Mal gelesen und dabei dachte ich zunächst der Herr Mankell, der kann nur Krimis. Doch die Generationen übergreifende Erzählung eines sich immer wiederholenden Frauenschicksals fesselt fast so sehr wie Kurt Wallander und seine Fälle. Auf den ersten Blick scheint es nichts besonderes zu geben an den Biografien der Mutter und Tochter, doch mir ging nach und nach das Herz auf für die beiden Frauen, die für mich zwei ganze Generationen skandinavischer Frauen repräsentieren mit ihren Entscheidungen, Fehlern und verpassten Träumen.

Die Art, wie Mankell von seinen Hauptfiguren erzählt, so schnörkellos und nicht im geringsten sentimental, steht in krassem Kontrast zu dem, was er über sie erzählt. Der Leser, also in diesem Fall ich, wird mitgerissen und ist abwechseln Elna und Eivor. Man hasst und liebt diese Frauen, man regt sich ohne Ende darüber auf wie sie sich selbst das Leben verbauen in dem sie zu früh Kinder kriegen und es nicht schaffen ihr Potential auszuschöpfen, man schluchzt innerlich wenn man liest wie sie trotz aller Hoffnung und des guten Willens vom Leben gebeutelt sind. Diese beiden Frauen scheinen nicht gewinnen zu können und ich schwanke hin und her zwischen der Meinung, Mankell traut sich offen und ehrlich zu sein und der Unterstellung er möge einfach gerne Frauen leiden sehen.

Denk was Du willst, aber für mich ist eine solch heftige Reaktion auf die Charaktere eines Romans und ihr Schicksal ein Zeichen dafür, dass es sich um eine äußerst lesenswerte Geschichte handelt. Eine Geschichte, die man nicht auf Armeslänge halten kann, eine Geschichte in die man hinein gezogen wird, die einen zu Lesenszeiten mit Haut und Haar verschlingen wird und wenn man sie niederlegt ist man außer Atem. Denn das was man gerade gelesen hat, das scheint nicht Fiktion zu sein, das scheint ganz nah an uns selbst.

Kurz gesagt… Dies ist ein lesenswerter Roman mit authentischen Charakteren, der seine Leser nicht so schnell wieder los lässt.

DAISY SISTERS – HENNING MANKELL/ISBN 978-3552053991

Wenn Du stirbst zieht Dein ganzes Leben an Dir vorbei, sagen sie (Rezension)

Februar 10th, 2012 § 2 Kommentare

Sam kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch am nächsten Tag wacht sie wieder in ihrem Zimmer auf. Sie merkt bald, dass sie den Tag des Unfalls immer wieder aufs Neue durchleben muss und versucht nun verzweifelt einen Ausweg aus dieser Endlosschleife zu finden.

Gedanken zum Buch…

Ich finde die Idee der ständigen Wiederholung von Sams letztem Tag sehr gelungen. Und Lauren Oliver erzählt diesen Tag auch nicht immer gleich. Nach und nach lässt sie Sam die Ereignisse beeinflussen und macht dieses Buch damit fast so spannend wie einen Kriminalroman.

Ich kann die Hauptfigur nicht ausstehen. Ich selbst war nie Mittläuferin und kann wenig verstehen, wie man gemein zu jemandem sein kann, der einem nichts getan hat. Doch genau das ist Sam und bis zum Ende gibt es auf ihrer Seite auch nur eine minimale Einsicht, dass sie sich falsch verhalten hat. Das ist zwar realistisch, aber nicht gerade aufmunternd.

Die Geschichte spielt in einer amerikanischen Kleinstadt, in einer amerikanischen High School. Für Leser ist das mehr oder minder Code für nirgendwo, bzw. der Schauplatz ist nicht weiter wichtig.

Lauren Oliver schreibt getreu ihrer Hauptfigur. Allerdings fällt sie nicht der Versuchung zum Opfer allzu viel Jugendsprache einzubauen. Das macht das Buch angenehm zu lesen und gibt der Erzählerin noch ein Quäntchen mehr Authentizität.

Ich finde die Idee des Romans ganz wunderbar, doch die Hauptfigur, die Oliver sich ausgesucht hat, kann ich nur schwer ertragen.

WENN DU STIRBST ZIEHT DEIN GANZES LEBEN AN DIR VORBEI, SAGEN SIE – LAUREN OLIVER

ISBN  978-3551582317

Alles was wir geben mussten (Filmtipp)

Februar 8th, 2012 § 4 Kommentare

Ich hab’s getan… den Film geschaut, bevor ich das Buch gelesen habe. Ich bin da nicht so streng und in diesem Falle machte es sogar Sinn. Denn als ich in das Buch hinein las dachte ich noch, was soll das ganze? Lese ich es nun zum zweiten Mal werde ich mir die Frage nicht mehr stellen müssen. Denn der Film bringt die Geschichte wunderbar auf den Punkt. Gefühlvoll und doch ein wenig erschreckend erzählt er die Geschichte zweier Liebender in einer dystopischen Wirklichkeit derer sich schon einige Schriftsteller bedienten.

Kurz zur Handlung: Kathy, Tommy und Ruth sind beste Freunde. Sie besuchen zusammen das Hersham Internat. Dort werden Kinder heran gezogen, die als Erwachsene der Medizin dienen sollen. Als Spender geben sie ihre Organe um anderen Menschen ein langes Leben zu ermöglichen. Die meisten von ihnen haben damit ihren Frieden gemacht, wäre da nicht das Gerücht, dass Paaren, die zusammen wahre Liebe gefunden haben, ein paar Jahre Aufschub gewährt wird.

Thematisch erinnert das an vieles was ich schon mal gesehen oder gelesen habe (z.B. Die Entbehrlichen oder die Insel). Doch dieser Film gibt dem ganzen einen wunderbar verträumten aber auch trostlosen Unterton. Denn die Bildsprache derer sich Regisseur Mark Romanek bedient ist dem Roman würdig und hebt diesen Film von all den anderen, die sich dem Thema Lebendspende-Dystopie widmen ab. Schau den Film, wenn Du das Buch liebst. Schau den Film, bevor Du das Buch liebst. Schau den Film, wenn Du wie ich Carrey Mulligan verehrst. Ein paar Tränen wirst Du vergießen, aber Du wirst es nicht bereuen.

Neugierig geworden? Hier geht’s zum Trailer.

Oder doch lieber lesen? Dann klick hier.

19 Minuten (Rezension)

Februar 6th, 2012 § 4 Kommentare

Peter wird von seinen Mitschülern gemobbt. Eines Tages bringt er eine Pistole zur Schule und erschießt zehn Schüler. Nun wird Peter der Prozess gemacht, Vorsitzende im Prozess ist keine andere als die Mutter von Peters Sandkasten Freundin Josi.

Gedanken zum Buch…

Jodi Picoult ist die Königin der Problemwälzer. Ihre Romane lesen sich wie amerikanische TV Filme. Auch in diesem Buch widmet sie sich wieder einer Gewissensfrage. Ich finde das sehr interessant; ich schaue aber auch gerne amerikanische TV Filme ;)

Der Roman ist in der dritten Person geschrieben und folgt wechselnden Charakteren innerhalb eines Ensembles. Alle Charaktere sind miteinander verbunden und durch die verschiedenen Perspektiven erfährt man nach und nach die ganze Geschichte. Ich bin kein Fan dieser Erzählweise, da sie zu viel verrät. Ich möchte darüber rätseln, wer die Charaktere sind und ob sie die Wahrheit sagen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Wechsel manchmal auf Kosten der Charaktere gehen und diese stereotyp wirken lassen.

Der Roman spielt in einer amerikanischen Kleinstadt, an einer amerikanischen High School. Das ist für mich ein alter Hut und nichts aufregendes mehr. Allerdings ist bei Picoult das wo auch eher zweitrangig. Interessant sind die Einblicke in den Gerichtssaal, Picoults anderes Markenzeichen.

Der Stil der Autorin scheint mir absolut makellos. Sie schreibt gut verständlich und nüchtern. Was mich etwas enttäuscht, ist dass sie sich keine Mühe gibt den Charakteren individuelle Stimmen zu geben. Jede Figur erzählt die Geschichte in der gleichen klaren Sprache, egal ob männlich oder weiblich, Polizist oder Schulmädchen.

Für Fans von Jodi Picoult und auch alle anderen ist dieses Buch wieder mal ein Leckerbissen. Das Hörbuch ist übrigens nicht empfehlenswert :(

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