(Mai) Neue Bücher bei der Bücherphilosophin…
20. Mai 2013 § 8 Kommentare
Wer von euch hat sie schon gelesen? Welches Buch empfehlt ihr mir besonders? Ich bin schon sehr gespannt auf meine neue Lektüre
Neue Bücher…
- Die Tochter des Glücks von Lisa See ist eines der vielen Bücher der Autorin, die ich auf meiner Wunschliste habe. Als es dann bei C. Bertelsmann herauskam, habe ich zugeschlagen und nun freue ich mich schon sehr auf gut 500 Seiten, in denen ich mich an der Seite der Hauptfigur durch China schmökern darf. Ansonsten bin ich für umfangreiche Romane nicht so einfach zu begeistern, aber ich dachte mir nach all den Klassikern der letzten Tage, habe ich mir mal was fürs Herz verdient
Neue E-Books…
- Auf den Roman Silver Linings von Matthew Quick bin ich durch dessen Verfilmung aufmerksam geworden, die ich kurze Zeit vor Lawrences Oscar Gewinn gesehen hatte. Seitdem bin ich um den Roman herum geschlichen, wollte aber auch nicht enttäuscht werden – wie es mir bei Off Magazine Street von Ronald Everett Camps passiert ist. Jetzt gab’s die Kindle-Version allerdings für €3 und da hab ich spontan zugegriffen. Wer kann es mir verübeln
- Unterwegs von Jack Kerouac musste ich nach meinem Ausflug nach Big Sur einfach haben. Mit der Lektüre habe ich es zwar nicht ganz so eilig, wie mit der Bestellung des E-Books, aber vorm Ende des Sommers plane ich es auf jeden Fall gelesen zu haben. Denn ich habe bisher nur gutes darüber gehört.
Neue Hörbücher…
- Mein audible Abo habe ich diesen Monat in Gold von Chris Cleave investiert. Little Bee ist mir noch in guter Erinnerung und ich hoffe dieses Hörerlebnis mit Gold wiederholen zu können. Gesprochen wird das Buch übrigens von Britta Steffenhagen.
Der große Gatsby, ganz klein mit Hut oder warum wir Klassiker lesen, an denen wir keine Freude haben…
18. Mai 2013 § 7 Kommentare
Inspiriert von den Anfangsparagraphen dieses Artikel auf vulture.com, in dem Autorin Kathryn Schulz wortreich darlegt, warum sie trotz mehrmaliger Lektüre einfach keinen Zugang zu F. Scott Fitzgeralds “Der große Gatsby” findet, fragte ich mich spontan – warum dann immer wieder lesen? Zugegeben gibt es Bücher, die man erst in reiferen Jahren so richtig genießen kann – ich ziehe meinen Hut vor Jugendlichen, die sich zum Beispiel im Werk von Jane Austen oder Thomas Mann verlieren können – doch diese Art Romane bemerkt man als eifriger Leser oft schon nach den ersten fünfzig bis hundert Seiten. Dann wird das Buch eben zurück ins Regal gestellt oder erst Mal an ältere Geschwister weiter gereicht und in fünf bis zehn Jahren von diesen ausgeborgt.
Was also veranlasste Kathryn Schulz dazu seit der Oberschule wieder und wieder ein Buch aufzuschlagen zu dem sie so gar keinen Zugang hat? Sie tat dies doch nicht etwa, weil dies zu den wichtigen Werken des 20. Jahrhunderts gezählt wird – das alleine kann es doch nicht sein? Oder doch? Wer diese Listen schreibt ist klar, Teils gelangweilte, sich oft zu wichtig nehmenden Literaturprofessoren und Teils die öffentliche Meinung – denn wer ein Buch zu Jugendzeiten geliebt hat, ist viel eher dazu geneigt es dem eigenen Spross in die Hände zu drücken, sobald dieser soweit ist… eine neue Lesergeneration ist geboren. Wer aber zwingt uns die Bücher der weltweiten Bestenlisten zu lesen? Zunächst wären das wohl gelangweilte, sich oft etwas zu wichtig nehmende Deutsch- und Englischlehrer. Doch die Schulzeit dauert schließlich nicht ewig – auch wenn es einem manchmal so vorkommen mag – und nicht jeder studiert am Ende irgendwas mit Literatur.
Trotzdem zwingt sich so mancher bis zur Verzweiflung zwischen die Seiten (moderner) Klassiker und macht sich damit wohl mehr Leid als Freude und das alles, weil eine unabhängige Jury aus Literaturschaffenden und -bewertenden sagt wer A liest, der muss B auch unbedingt gelesen haben. Selbst wer zeitgenössische Literatur vor dem Ende auf den Schrotthaufen schmeißt, kämpft sich oft noch durch die sperrigsten Klassiker – hier spreche ich auch ein bisschen von mir selbst – und was bringt das dem geneigten Leser… gar nichts, im schlimmsten Fall sogar eine persönliche Abneigung gegen Madame Bovary, Anna Karenina und diese verdammten Buddenbrooks – sollen sie doch alle hingehen wo der Pfeffer wächst!
An dieser Stelle möchte ich mich wieder auf den Artikel beziehen, der mich zu diesem Beitrag inspirierte, und auf dessen Autorin. Diese saß nämlich zu Studienzeiten im Seminar eines Literaturprofessoren und -kritikers und wurde dort Zeuge der Frage danach, wie man sich am besten an ein Buch der Weltliteratur heran wagt. Die Antwort: Mit Freuden.
Und genau das ist es was wir Leser tun sollten. Wer nicht Literatur oder Germanistik studiert, der kann sich leisten die Fachidioten an den literarischen Fakultäten der Welt zu Teufel zu schicken. “Der große Gatsby” sagt Dir nichts? Du kriegst schon bei der Erwähnung des “Fänger im Roggen” einen Heuschnupfen? Und mit der Balkonszene aus “Romeo und Julia” könnte man Dich von einer Klippe jagen? Dann klapp das Buch zu und lass es gut sein. Denn Klassiker hin oder her, am Ende lesen wir doch alle für das Fieber das uns befällt, wenn wir an der Seite des Erzählers in der Geschichte versinken, nicht einfach um eine Liste abzuarbeiten und uns anschließend belesen zu nennen zu können. Oder was meinst Du?
gelesen: Die Glasglocke von Sylvia Plath
15. Mai 2013 § 5 Kommentare
Esther Greenwood ist eine Studentin kurz vor ihrem Abschluss. Im Sommer vor ihrem letzten Jahr am College absolviert sie ein prestigeträchtiges Praktikum bei einem Frauenmagazin in New York. Von den Eindrücken der Großstadt erschlagen spürt sie sich schon bald in ein unerklärliches Stimmungstief gleiten, das sich auch nicht bessert, als sie um viele Erfahrungen reicher nach Hause zu ihrer Mutter zurück kehrt.
Meine Gedanken zum Buch…
Sylvia Plaths Debütroman, der ihr einziger bleiben sollte, war für mich deshalb so interessant, da er starke autobiografische Bezüge haben soll und von manchen ganz schlicht als Autobiografie verstanden wird, auch wenn der Name der Hauptfigur nicht Sylvia Plath ist und die Autorin sich scheinbar ein paar Freiheiten mit dem Stoff genommen hat – wie in Romanen üblich. Und warum um alles in der Welt interessiert mich nun das Leben Sylvia Palths, einer amerikanischen Expat-Lyrikerin und Ehefrau von Schriftsteller Ted Hughes? Ganz einfach, weil sie vier Wochen nach dem Erscheinen dieses Romans in ihre Küche ging, dort den Gashahn vom Backofen aufdrehte und ihren Kopf hinein gesteckt hat (was übrigens im englisch-sprachigen Raum zu einem etwas makaberen geflügelten Wort geworden ist) und sich so kurz bevor ihre literarische Karriere so richtig begann umbrachte.
Ein tragisches Ende für diese begabte Lyrikerin, das ich durch die Lektüre dieses Romans nachzuvollziehen versuche. Und de facto beschreibt Sylvia Plath hier, am Beispiel ihrer Hauptfigur, ihr langsames hinabgleiten in eine Depression, die in einem Aufenthalt in der Psychiatrie, sowie der berühmt berüchtigten Elektroschock Therapie gipfelt. Eine Schilderung die mich sowohl betroffen macht, als auch zutiefst erschüttert, besonders in Momenten in denen Hauptfigur Esther den Strom wie einen blauen Blitz durch ihren Körper fahren spürt und Sylvia Plath die körperlichen Empfindungen händeringend realistisch beschreibt und ich den Roman für ein paar Augenblicke zur Seite legen muss, bis ich mich wieder gefasst habe.
Und selbst wenn der autobiografische Bezug aus Gründen der vereinfachten Vermarktung etwas hochgespielt wurde, scheint mir dieses Debüt, das natürlich nicht ganz ohne erzählerische Fehler ist, als eine Freude für jene Leser, die gerne in Sprachbildern schwelgen – für Leser wie mich. Denn man merkt Sylvia Plath die Lyrikerin in nahezu jeder ihrer Zeilen an. Und so verzeihe ich ihr auch, wenn sie keine ihrer unzähligen Rückblenden einleitet, ja fast schon voraussetzt, dass der Leser ihr ohne Murren in die Tiefen ihres Gedächtnisses folgt und sich dort auf Anhieb zurecht findet. Nicht immer war mir das beschert, doch ich ließ mich gerne treiben, auch wenn der Fluss unter der Glasglocke mehr Stromschnellen enthält als so manch anderer.
Kurz zusammen gefasst… Sylvia Plath hat der Welt ein bescheidenes aber nicht weniger beeindruckendes Werk hinterlassen. Die Glasglocke ist wohl das eindringlichste Beispiel dafür, ein Roman der aufgrund seiner Beschreibung einer jungen Frau am Abgrund damals wie heute aktuell, lesenswert und vor allem ungewohnt rührend ist.
Info: Die Glasglocke – Sylvia Plath – ISBN 978-3518456767
Literarische Nachbarn:
Philosophisches Liverpool oder Street Art, die mich anspricht…
13. Mai 2013 § 3 Kommentare
Inspiriert von diesem Beitrag auf Buchstabenchaos, habe ich mir meine Kamera geschnappt und bin durch die Straßen von Liverpool gestreift, auf der Suche nach den wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Denn Liverpool stellt sie mir alle…
An dieser Frage gehe ich übrigens auf meinem Weg von LiverpoolONE (dem zentralen Busbahnhof) zur Uni vorbei und beantworte sie natürlich jedes Mal mit einem lauten, fröhlichen JA!
rezensiert: Vater.Mörder.Kind von Giampaolo Simi
10. Mai 2013 § 4 Kommentare
Angeblich gibt es viele Menschen mit zwei Leben. Ich bin einer von ihnen. Erzählen können wohl nur wenige davon. Ich bin einer von ihnen. Mein Name ist Furio Guerri.
Furio Guerri ist sowohl Familienvater als auch Vertreter einer Druckerei, bei der er sich um den Sektor “Kultur” kümmert. Furio Guerri ist ein Monster. Mit seinem Spider fährt er durch die italienische Landschaft, um Geschäfte abzuschließen und die Beträge ungedeckter Schecks einzutreiben, während zuhause seine kleine Tochter Caterina und Ehefrau Elisa auf ihn warten. Das vermeintliche Glück täuscht allerdings. Denn während Caterina in der Schule zu versagen droht, begehrt Elisa immer öfter gegen die Fesseln des häuslichen Lebens auf. Doch das kann, das darf Furio auf gar keinen Fall zulassen…
Meine Gedanken zum Buch…
“Vater.Mörder.Kind” ist ein Roman, der sich dem Leser nicht auf dem Silbertablett serviert. Noch nach fünfzig Seiten Lektüre hielt sich bei mir hartnäckig eine Einschätzung der Hauptfigur, die sich auf den folgenden Seiten als falsch heraus stellen sollte. Doch was ist zu erwarten von einer Figur, die sich mit den Worten vorstellt…
In meinem zweiten Leben bin ich Furio Guerri, das Monster.
…eine Selbsteinschätzung, die dem Leser zunächst Rätsel aufgibt, und ohne Umschweife frage ich mich – was hat dieser Furio Guerri denn getan, dass so schlimm ist, dass er sich sogar selbst als Monster beschreiben würde. Doch Giampaolo Simi rückt einfach nicht mit der Antwort heraus, noch nicht, noch lange nicht und dafür liebe ich ihn.
In deinem ersten Leben bist du Furio Guerri, Mitarbeiter im Außendienst von Aggradi Grafik & Druck.
Wo wir gleich beim zweiten Teil dieses höchst ungewöhnlichen Krimis wären. Dem, der Furio Guerris Familienleben thematisiert, und sich nach und nach als Ruhe vor dem Sturm heraus stellt. Doch wer ist hier eigentlich Furio Guerri – bin ich es? Oder spricht die Hauptfigur hier zu sich selbst? Wer eine Aversion gegen die 2te Person Erzählperspektive hat, dem wird dieses Buch nicht gefallen. Denn zur Hälfte muss der Leser sich damit abfinden sich angesprochen zu fühlen, als Furio Guerri zu tun, was ihm Giampaolo Simi aufträgt – so grausig das auch sein mag, denn wie es bei einem guten Krimi nun mal so ist, bleibt das Familienleben nicht lange so heil wie am Anfang.
Doch inwiefern kann ich der Hauptfigur Glauben schenken, wenn sie mir erzählt, dass was die Familie zerstört alleine Ehefrau Elisa ist? Inwiefern kann ich mit ansehen, wie er sie einer Affäre bezichtigt, wenn er sich doch schon zu Anfang des Buchs von der Bürohilfe eines Kleinverlags einen hat blasen lassen? In diesen Momenten wird der Leser ihm gewahr – Furio Guerri, dem Monster. Dem Mann der sich auf eine Parkbank setzt und von dort aus junge Mädchen bespitzelt. Dem Mann, der sich mit einer Stützlehrerin einlässt, nur um ab und an in das Schulgebäude eindringen zu können. Dem Mann, der sich nachts auf einschlägigen Internetseiten herum treibt. Und nach und nach fügt sich alles ineinander. Doch ist es wirklich alles so einfach? Ist Furio Guerri wirklich der, welcher er zu sein scheint?
Denn selbst als Monster führt er ein Doppelleben voller Lügen und Intrigen, mit der unbeirrbaren Zielstrebigkeit des Psychopathen – doch auch, wie sich später heraus stellt, mit einem noblen Motiv. Parallel dazu reihen sich immer neue Konflikte zwischen Guerri und seiner Frau Elisa aneinander, die ich lese als hätte ich sie selbst geschaffen, während Guerri, vom Rückenwind einer Intrige voran getrieben, in seiner Firma mehr und mehr Einfluss gewinnt. Atemberaubend ist es schließlich, das Finale, denn es raubt mir kurz den Atem. Endlich kenne ich als Leser die ganze Geschichte, oder etwa doch nicht…
Sie wollte die Wahrheit wissen. Schön. Sie weiß noch nicht die ganze Wahrheit, aber ich habe mir geschworen kein Wort mehr zu sagen.
Letztlich muss ich mich wohl damit zufrieden geben Furio Guerri, das Monster, nie so richtig verstehen zu dürfen. Denn weder er noch sein Schöpfer Giampaolo Simi erlauben es mir. Trotzdem lasse ich mich davon nicht enttäuschen. Denn selten hatte ich eine Hauptfigur vor mir, die so lebendig war und so bitterböse, wie diese. Die mich durch einen Krimi jagt, der sich dem Genre nicht so recht beugen will und Kapitel um Kapitel die Regeln italienischer Erzählkunst neu formuliert. Simis Sprache ist dabei ganz nüchtern, kommt ganz ohne blumige Formulierungen aus und ich, die ich sonst gerne mal in formvollendeten Vergleichen schwelge, werde hinein gesogen in die dystopischen Welten im Kopf der Hauptfigur und vermisse dort nichts bis auf etwas Trost. Denn das Monster Furio Guerri scheint sich keinen Deut geändert zu haben, abhängig von Psychopharmaka schleicht er auch auf den letzten paar Seiten noch durch die Nacht. Doch versichert er mir, dem Leser, dies tut er nur aus Liebe, wie alles, was er sonst noch tat – aus Liebe und Hass gegen sich selbst.
Kurz zusammen gefasst… Simis Roman traut sich was, weitaus mehr als viele seiner Zeitgenossen, vor allem im Bezug auf Stil und Sprache. Aber auch die Geschichte darin ist nicht immer ganz leicht verdaulich. Trotzdem hat sie mich, als Leser über Stunden, ja Tage sogar, gefesselt und in einer Welt umher wandeln lassen, in der nichts ist wie es scheint. Immer noch habe ich das Gefühl Furio Guerris Geschichte nicht ganz zu kennen, doch habe ich ebenfalls das Gefühl, dass es so vielleicht auch besser ist.
Info: Vater.Mörder.Kind – Giampaolo Simi – ISBN 978-3-570-10153-7
Literarische Nachbarn:
gelesen: Big Sur von Jack Kerouac
6. Mai 2013 § 3 Kommentare
Jack Duluoz, ein vom eigenen Ruhm verfolgter und dem Alkohol zugetaner Schriftsteller, flüchtet für drei Wochen in die Hütte eines Freundes, inmitten der Wildnis des Big Sur, um dort zu sich selbst zu finden…
Meine Gedanken zum Buch…
Gestern habe ich dieses Buch beendet und ich vermisse ihn jetzt schon, Jack Kerouac alias Jack Duluoz und die wilde, überwältigende Natur des Big Sur. Zugegebenermaßen verstanden wir uns anfangs nicht, Kerouacs Stil und ich. Oft wird seine literarische Stimme als spontan und immer im Moment beschrieben, Jazz in Romanform und dem kann ich nur zustimmen. Ich bezeichnete sie im Stillen allerdings auch manchmal als schwierig und tue es wohl immer noch. Doch nach und nach, während die Kapitel am Leser vorbei ziehen und Kerouac so ehrlich und ungeschönt über sich selbst und seinen gescheiterten Versuch dem Leben in der Stadt und dem Ruhm, der ihn nach der Veröffentlichung seines Debüts (On the Road – Unterwegs) ereilte, den Rücken zu kehren, wächst mir der amerikanische Bretone mehr und mehr ans Herz.
Ohne Punkt, dafür mit Komma und Gedankenstrich schreibt sich Kerouac durch etwas über 200 Seiten autobiografischen Roman und lässt mich manchmal schwelgen, oft aber auch ratlos zurück. Von unzähligen Eindrücken und Szenen mundtot gemacht, muss ich mit ansehen wie sich Autor und Hauptfigur in einem um den Verstand saufen und das oft ganz wörtlich. Ein Gedanke blutet seinen Sinn in den nächsten und das so unvermittelt, dass ich oft atemlos in die Polster meines Lesesessels zurück sinke, sobald Kerouac (endlich) einen Satz zu Ende gebracht hat.
Was an Kerouacs Stil oft etwas quer im Kopf liegt, wenn er eine trunkene Nacht mit seinen Freunden in San Francisco beschreibt, wird zu einem Schauer aus Eindrücken, die mich als Leser an der Seite des Autors durch die Wildnis wandern lassen, sobald Kerouac sich in die Landschaft des Big Sur begibt. Denn dort gehört er eigentlich hin, da stimme ich ihm zu, dort ist er ganz bei sich. Und so wunderte es mich nicht, als sich, sobald er seine Freunde zu sich in die Natur einlädt, die Katastrophe, der Zusammenbruch dieses kreativen Kopfes, anbahnt.
Und so Leid es mir für den vom delirium tremens und der damit einhergehenden Paranoia geschüttelten Schriftsteller auch tut, gebiert dieser Zusammenbruch doch eine der eindringlichsten Beschreibungen einer Psychose, von der ich in meinem kurzen Leserleben Zeuge wurde. So denke ich beim Schreiben dieses Beitrags, beim Blick ins Regal, beim Warten auf den Bus, mit einem wohligen Schauer an den Big Sur und seinen berühmt, berüchtigten Besuch zurück, dem ich dank Jack Kerouacs Bericht beiwohnen durfte.
Kurz zusammen gefasst… Abschließend lässt sich sagen, dass Kerouac vielleicht nicht der große, amerikanische Chronist ist, nach dem es vielerlei Kritiker und Leser verlangt. Doch wer einer ehrlichen Stimme aus der Beat-Generation lauschen will, der sollte sich Jack Kerouacs Romanen widmen – da gibt es für mich keinen Zweifel.
Info: Big Sur – Jack Kerouac – ISBN 978-0-14016812-9
Literarische Nachbarn:
- On the Road von Jack Kerouac (Rezension von 1001 Bücher)
- Vom Aussteigen und Ankommen von Jan Grossarth (Rezension)
- People live still in Cashtown Corners von Tony Burgess (Rezension)
















