/rɪˈvjuː/ Spooky Little Girl

Eckdaten…

Autor: Laurie Notaro; Verlag: Blanvalet

ISBN 978-3-7645-0385-7

Alles auf Anfang..

“Bereits als das Taxi am Straßenrand anhielt, wusste Lucy Fisher, dass sie etwas Außergewöhnliches sah.”

Kurz zur Handlung…

Lucy ist eine quirlige Frau, die leichtfüßig und unbedarft durchs Leben stolpert, und auch schon mal ihr gesamtes Erbe für eine Reise nach Hawaii auf den Kopf haut. Doch als sie von eben dieser wieder nach Hause kommt erwartet sie eine böse Überraschung. Nicht nur hat ihr Verlobter sie vor die Tür gesetzt und weigert sich nun seine Gründe dafür zu nennen, sondern Lucy verliert auch noch ihren Job. So ganz ohne Verlobten, festes Gehalt und ein Dach über dem Kopf beschließt Lucy erstmal zu ihrer Schwester zu ziehen und sich dort arbeitslos zu melden. Doch dazu kommt es nicht, denn Lucy wird vom Bus überfahren und findet sich kurz darauf in einer ominösen Geisterschule wieder, in der sie auf die letzte Mission ihres Lebens vorbereitet werden soll.

Gedanken zum Buch…

Ich sitze hier, überlege was ich schreiben soll und bin nebenbei ganz begeistert von diesem übernatürlichen Frauenroman, der so leichtfüßig daher kommt, wie der Geist seiner Hauptfigur Lucy. Laurie Notaro zeigt anderen Genre-Schreiberlingen wie’s geht, ganz ohne Liebeskitsch und dafür mit einer gehörigen Prise, oft ziemlich deftigem, Humor.

Das was diesen Roman zu einem der liebenswertesten Abenteuer macht, die ich dieses Jahr gelesen habe, sind vor allem die Charaktere. Die chaotische Lucy wuchs mir schon als Lebende ans Herz und dann im Geisterstadium erhielt diese Leser-Figur Beziehung noch mal eine ganz andere Tiefe. Ich habe mit ihr gelacht, gelitten und mich diebisch über ihre Geisterstreiche gefreut. Das Highlight des Buchs ist allerdings die Oma der Hauptfigur, Naunie, mit der sie ihr Spukhaus teilt und die nicht zu bremsen ist, wenn es darum geht die neue Freundin von Lucys ehemaligem Verlobten zu vergraueln.

Was mich an der Geschichte besonders gerührt hat, ist ihr wahrer Kern. Natürlich spukt Lucy Fisher nicht irgendwo in Amerika durch die Gegend, die Figur basiert aber, nach Aussagen der Autorin, auf einer Kollegin ihrer Zahntechnikerin. Der echten Lucy passierte die gleiche Pechsträhne, wie Lucy der Romanfigur, nur dass wir Leser nur vermuten können, was mit ihr passiert ist, bzw. wo sie jetzt ist. Genau das hat die Autorin hier auf ganz bezaubernde Weise getan und so fühle ich mich am Ende des Romans nicht nur der Hauptfigur sondern auch ihrer Erfinderin irgendwie verbunden. Denn so ein Roman ist wohl der beste Nachruf, den man als junge unter unglücklichen Umständen verstorbene Frau kriegen kann.

Und bei Laurie Notaro steckt wirklich jede Zeile voller Witz und kurioser Ideen, wenn man alleine die Todesursachen von Lucys Klassenkameraden in der Geisterschule nimmt, dann kriegt man schon den Lachkrampf seines Lebens. Darunter ist nämlich auch Tod durch explodierende Silikonimplantate, davon habe ich zwar noch nie gehört, aber wer weiß ob das nicht doch möglich ist ;) Leider teilte die Übersetzerin des Buchs den Humor der Autorin wohl nicht und meinte daher amerikanische Wendungen wörtlich übersetzen zu müssen, anstatt nach ihren deutschen Entsprechungen zu suchen. Mich als Englisch-Fan enttäuscht das natürlich maßlos, da ich an vielen Stellen die lieblose Übersetzung deutlich erkennen konnte :(

Dieser kleine Haken tut dem Charme des Buchs allerdings keinen Abbruch und wer nicht so sprachbegeistert ist wie ich, dem dürfte das eben bemängelte vielleicht gar nicht so sehr auffallen. Denn dieser Roman ist wirklich so süß und lustig und voller Abenteuer und zutiefst berührender Situationen, dass ich mich an dieser Stelle sehr freue ihn weiter empfehlen zu können :D

Kurz gesagt… Ein übernatürlicher Frauenroman mit viel Humor, der aber auch seine ruhigen, tiefgründigen Momente hat und daher sogar ganz ohne kitschige Liebesszenen auskommt.

6 Gedanken zu “/rɪˈvjuː/ Spooky Little Girl

  1. Ohoh … wie machst du das nur?!? Dank deiner Rezis wandern ständig neue Bücher auf meinen Wunschzettel. Und dabei wollte ich doch Bücher-kaufen-fasten ab Montag! *heul*

    Aber mal im ernst: Mal wieder eine wundervolle Rezi. :)

    Hast du vielleicht ein Beispiel für eine wörtlich übersetzte Redewendung? So etwas mag ich auch gar nicht – wenn mir so etwas denn mal ausnahmsweise auffällt. ;) Kann mir gut vorstellen, dass dich das beim Lesen gestört hat.

    lg, Steffi

    • Ich kann einfach nicht anders, wenn ein Buch so lustig ist, dann muss ich es weiter empfehlen :D
      Es gibt beim Bücherfasten doch 3 Joker, dieses Buch ist auf jeden Fall einen davon wert ;)

      Ich habe mir die Stellen leider nicht angestrichen – was deutlich macht, dass es dann doch nicht so sehr stört.
      Aber es fällt beim Lesen schon auf, wenn man die englische Redewendung kennt und sich wundert, warum hier nicht die deutsche Entsprechung zu lesen ist, sondern eine etwas holprige wörtliche Übersetzung.
      Dem Spaßfaktor des Romans tut das aber keine Abbruch :D

  2. Ich habe das Buch heute gerade in der Grazia entdeckt und war sofort daran interessiert. Ist schon cool, dass ich jetzt bei dir eine tolle Rezension dazu lese.

    Das Buch sollte ich mir mal auf Englisch genauer ansehen.

    • Es ist ein wirklich rundherum lustiger, erfrischender Roman, und er hat auch ein schönes Ende – ich weiß ja wie gerne Du Happy Ends liest :)

      Auf Englisch kommt der Sprachwitz der Autorin sicher noch besser zur Geltung. Ich überlege auch, ob ich nicht die englische Ausgabe kaufe und fürs wiederlesen aufhebe.

      • “Hihi” bei mir war’s genau andersherum: Zuerst habe ich deine Rezi gelesen und dann später am Abend den Grazia-Buchtipp entdeckt. :D

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