Überall sehe ich Männer und Frauen, die sich zu einander prügeln. Sie lieben, obwohl sie voreinander fliehen möchten.
Zu Beginn stirbt David, ein „etwas später dazu gekommener“ Deutscher, ursprünglich ohne „i“, dafür mit einem „u“ in seinem Vornamen, bei einem Busunglück in der Türkei. Aus den Flammen des Unfalls gerät er unversehens in die Flammen der Liebe, als ihm eine Frau mit deutschem Akzent (eine Engelserscheinung?) am Unfallort kurz Hilfe spendet und dann verschwindet. Entbrannt setzt er, zurück in Deutschland, trotz weniger Anhaltspunkte, die er hat, alles daran, sie wiederzufinden. Der Roman führt seinen sich auf der Suche nach der Frau des Lebens befindlichen Protagonisten, einen nach beträchtlichen Gewinnen an der Börse finanziell unabhängigen End-Dreißiger, ausgehend von der Türkei in seinen Heimatort Kiel („an den Rand der Zivilisation“), Nienburg an der Weser, Wien und Prag. (Da ich dieses Buch vor einiger Zeit gelesen habe, kommt die Inhaltsangabe dieses Mal von Wikipedia.)
Gedanken zum Buch…
Am Anfang kann man diesem Buch noch folgen. Zunächst das Busunglück, dann das Krankenhaus und dessen Patienten mit ihren kuriosen Namen. Doch sobald der Erzähler aus den Krankenhaus entlassen wird, wird es schwammig und das obwohl ich dieses Buch nun schon zum zweiten Mal gelesen habe. Irgendwie will es nicht haften bleiben in meinem Kopf, obwohl ich mir sicher bin, dass es mir gefallen hat – beide Male und sicher noch öfter.
Der Leser folgt dem Erzähler auf der Suche nach einer Frau, die nicht die seine ist, es nicht sein will und doch reist er ihr nach. Auf einmal sind wir dann in Prag und wissen nicht warum oder wie wir dorthin kamen. Die Fremdenführerin wird zur Geliebten oder vielleicht auch nicht, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Doch die Geliebte bleibt unerreichbar – ein klein wenig frustrierend. Das Ende entfällt mir zum gegebenen Zeitpunkt ganz.
Was mich zu diesem Buch zieht, mal um mal, ist dessen Fähigkeit mich einzulullen, des nachts meine linke Brust zu umfassen und mir vertraut ins Ohr zu flüstern bis ich in den Schlaf gleite. Nicht schwer zu erraten, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe, wie schon bei Leyla, sehr angenehm gesprochen von Stephan Schad. Wer gerne die leisen nachdenklichen Töne liest, den wird dieser Roman erfreuen, denn er ist eines dieser Bücher, die bei erneutem Lesen immer mehr Einsicht in das Geschehen liefern, so wie gute Prosa sein sollte saftig, nicht zu süß und jedes Mal ein bisschen aufschlussreicher.
Kurz gesagt… Dieses Buch ist nicht gut wegen dem was von ihm übrig bleibt, sobald man es zur Seite legt. Es ist gut wegen der Reise, die davor kommt.
LIEBESBRAND – FERIDUN ZAIMOGLU/ISBN 978-3462039696